Der Blick aus meinem Krankenquartier zeigt mir eine winterliche Landschaft, die friedlich darniederliegt. Wie täuschend, wie hinterhältig diese Friedlichkeit doch ist. Mir war es zu meinem Fluch vergönnt den Blick auf etwas zu werfen, dass jenseits des Verstehens liegt. Ich glaube zwar an Geisterwelten und die Möglichkeit, dass es jenseits unseres beschränkten Wissens möglich ist die Welt zu manipulieren, was gemeinhin als Magie bezeichnet wird, doch nie hätte ich für möglich gehalten, was ich erblickte und was mir widerfuhr. Nächtens, wenn ich die Augen schliesse sehe ich immer noch das zuckende Herz, das über die Schienen aus Gedärm gerollt wird, höre ich das irre Keckern der Verrückten aus dem zweiten Waggon, spüre das Gewicht, das mein Bein zerquetschte und mir meine Gesundheit nam. Julius, wo sind wir da hineingeraten, wo hast du uns hereingezogen oder soll es ein Zufall sein, dass dies gerade jetzt passiert ist, wo du unsere Hilfe brauchst.
Nachdem ich das erste Mal nach dem Unglück hier erwachte dachte ich, alles sei nur ein Fiebertraum gewesen, bis ich versuchte aufzustehen und zu meinem Entsetzen feststellte, dass dort, wo einst mein linkes Bein war, nun nur noch ein verbundener Stumpf existierte. Da habe ich den Krieg in der Schweiz hinter mich gebracht, um nun verstümmelt zu sein. Ich schrie und schrie vor Entsetzen und schlug um mich, als die Schwester kam, um mich zu beruhigen und erst nachdem ich auf dem Bett festgeschnallt war gelang es ihnen mich mit Morphium zu betäuben. Als ich das nächste Mal erwachte dachte ich daran meinem Leben ein Ende zu setzen, doch sie hatten wohlweislich mein Rasierzeug entfernt und mein Stock war in dem verfluchten Zug geblieben. Ich fragte mich, wie es wohl den anderen ergangen war. Lebte noch einer von ihnen oder war ich mit meinem Entsetzen alleine? Vielleicht bin ich auch ein Auserwählter, habe ich nicht jahrelang das Kybalion und die Geheimnisse weisser Magie erforscht? Bestimmt war es die Schuld dieses Schwarzkünstlers, dass alles so eskalierte. Sollte ich ihn jemals in die Finger bekommen, wird er sich wünschen mich niemals kennengelernt zu haben.
Mit jedem weiteren Tag kehrt ein Teil meines Lebenswillen zurück. Auch wenn ich ein Krüppel bin, so lag meine Stärke nie in der Physis, sondern im Geist und der ist mir Gott sei gedankt ja geblieben. Julius, du schuldest mir ein Bein alter Freund. Ich habe heute Greta gesehen und ich war entsetzt. Nachdem Franz und CC relativ unverletzt zu sein scheinen, ist sie grauenhaft zugerichtet. Ich kann meine Behinderung ja noch mit einem Holzbein kaschieren, doch sie. Arme Greta, sie hat es schlimmer erwischt als mich. Ich habe begonnen das Kybalion noch einmal zu lesen, mir die gelernte Magie wieder ins Gedächtis zu rufen und die Kabbala zus studieren. Ich denke ich werde es brauchen bei dieser Suche, die schon so katastrophal begann.
Ich habe es anfangs vermieden mit den anderen ausführlich über die Sache im Zug zu sprechen, doch inzwischen haben wir uns ein wenig ausgetauscht. Ich denke es hat uns allen geholfen, auch wenn Greta sich über ihre Erlebnisse ausschweigt. Was mag mit ihr geschehen sein? Den Yard haben wir mit Allgemeinplätzen abgespeist, sie hätten uns auch niemals geglaubt. Wir haben überlebt, aber der Preis ist noch nicht abschätzbar. Was erwartet uns noch auf der Suche nach dem Simulacrum, wenn schon so etwas geschieht, noch bevor unsere Suche begonnen hat. Sei es wie es sei, vielleicht sehe ich auch nur Dämonen, wo keine sind. Morgen wird uns ein gewisser Lord Hunter besuchen. Vielleicht ein Mitglied des Challenger Trust oder jemand von der Eisenbahngesellschaft. Die Presse halten sie uns dem Herrn sei Dank vom Hals. Wir werden sehen, was dieser Lord will.